Brachiopoden („Armfüßer“ oder „Lampenmuscheln“)

Abb. 1 Eine kleine Auswahl von Brachiopoden aus der Riff-Fazies.
oben links: Dielasma elongatum, oben rechts: Neospirifer alatus,
unten links: Stenocisma schlotheimi, unten rechts: Streptorhynchus pelargonatus

Brachiopoden sind Meerestiere mit einer zweiklappigen Schale. Äußerlich und in ihrer Lebensweise ähneln sie den Muscheln. In ihrem Körperbau unterscheiden sich Muscheln und Brachiopoden aber grundlegend. Sie sind nicht miteinander verwandt.

Im Gegensatz zu den Muscheln besitzen die Brachiopoden keine spiegelsymmetrischen Klappen „rechts“ und „links“, sondern verschieden große Klappen „oben“ und „unten“ am Körper. Die größere Klappe, die Stiel- oder Ventralklappe, besitzt ein Loch aus dem ein muskelartiger Stiel ragt. Bei vielen adulten (ausgewachsenen) Formen hat dieser Stiel jedoch keine Funktion mehr.
Die gegenüberliegende Gehäuseklappe, die sogenannte „Armklappe“ (Dorsalklappe), besitzt im Inneren ein Stützskelett, daß den Filterapparat trägt. Die Form dieses „Armgerüstes“ ist das entscheidende taxonomische Merkmal der Brachiopoden.

Abb. 2 Vergleich der Symmetrie von Muscheln und Brachiopoden.
Bei den Muscheln verläuft die Symmetrieebene (rot) zwischen,
bei den Brachiopoden mitten durch die Klappen.

Es gibt aber noch weitere Unterschiede zu den Muscheln:

  • Die Brachiopoden sind ausschließlich marin, daß heißt sie leben im Meer. Muscheln hingegen haben sich auch an das Leben im Süßwasser angepasst.
  • Alle Brachiopoden sind Suspensionsfilterer, sie erzeugen einen Wasserstrom und filtern das Meerwasser nach Plankton und organischen Resten. Auch bei den Muscheln ist diese Lebensweise sehr verbreitet, aber es gibt auch viele Muscheln die eine andere Lebensweise pflegen.

Abb. 3 Das Armgerüst des Brachiopoden Dielasma elongatum.

Ein weiterer wichtiger Unterschied beider Gruppen liegt im Aufbau des Öffnungs- bzw. Schließmuskelapparates.
Muscheln schließen ihr Gehäuse aktiv mit den Schließmuskeln, geöffnet wird es ohne Muskelzug (also ohne Kraftaufwand) durch ein elastisches Band am Schloß - das Ligament. Nach dem Tod einer Muschel erschlafft der Schließmuskel und die Klappen öffnen sich. Nur wenn die Muschel „in situ“ oder zumindest nahe an ihrem Lebensort eingebettet wird kann man vollständige Gehäuse finden. Werden sie nach dem Tod transportiert (umgelagert) findet man nur noch Einzelklappen.
Bei den Brachiopoden erfolgt sowohl das Öffnen als auch das Schließen der Klappen durch aktiven Muskelzug. Nach dem Tod bleiben die Gehäuseklappen daher geschlossen. Und selbst wenn die abgestorbenen Gehäuse umgelagert werden, bleiben meist beide Klappen zusammen. Isolierte Brachiopodenklappen sind immer ein Hinweis auf weite Transportwege.

Abb. 4 Arm- und Stielklappe des Brachiopoden Dielasma elongatum.

Brachiopoden gibt es seit dem frühen Kambrium (540 Ma). Ihre Blütezeit lag im Erdaltertum (Paläozoikum) In vielen paläozoischen Gesteinen sind sie die häufigsten Fossilien. Mit der globalen Krise am Ende des Perm nahm ihre Vielfalt jedoch deutlich ab. Die Muscheln haben seit dem Perm die Brachiopoden an Formenvielfalt und Häufigkeit weit übertroffen. Heute gibt es nur noch ca. 320 Brachiopodenarten (bei ca. 80 Gattungen). Fossil kennt man dagegen etwa 4000 Arten (von ca. 1700 Gattungen). Zum Vergleich: die Muscheln sind heute mit mindestens 15.000 Arten vertreten. Aber zurück zu den Brachiopoden:

Im Zechsteinmeer lebten etwa 15 Gattungen. Die meisten sind nur mit einer Art vertreten. Hier geht es zu den einzelnen Brachiopodenarten (bzw. -gattungen) die in den Zechsteinriffen vorkommen. (Sie können statt der Links auch die Schaltflächen am linken Bildrand verwenden)

 

Literatur (Auswahl)

  • BRÜGGE, Norbert (1973): Eremithyris n. gen. (Brachiopoda, Dielasmatidae) - ein neues Leitfossil aus dem Hauptdolomit des Germanischen Zechsteins.- In: Z. geol. Wiss. Berlin 1 (1973) 2. S. 195-213.
  • BRÜGGE, Norbert (1974): Zur Kenntnis von Dielasma elongata (SCHLOTHEIM, 1816), einer Leitform (Brachiopoda, Terebratulida) aus dem Werra-Zyklus des germanischen Zechstein.- In: Z. geol. Wiss. Berlin 2 (1974) 2. S. 185-205.
  • JORDAN, Hanspeter (1967): Ein Beitrag zur Kenntnis von Neospirifer alatus (v. Schlotheim) aus dem germanischen Zechstein.- In: Freiberger Forschungsheft C 213, S. 101-121.
  • JORDAN, Hanspeter (1968): Zur Kenntnis der Productiden (Brach.) aus dem germanischen Zechsteinbecken.- In: Freiberger Forschungshefte C221, S.15-32.
  • MALZAHN, Erich (1937): Die deutschen Zechsteinbrachiopoden mit besonderer Brücksichtigung der stammesgeschichtlichen Beziehungen von Productus horridus SOW. zu Productus timanicus STUCK.- 77.S, 4 Tafeln, 6 Abb., Abhandlungen der Preußischen Geologischen Landesanstalt Neue Folge, Heft 185, Berlin.