Riffgebiet Thal - Seebach - SchmerbachRiffgebiet Schweina - Bad Liebenstein

Abb. 1 Vereinfachte Geologische Karte des westlichen Thüringer Waldes (umgezeichnet nach WUNDERLICH et al. 1996).

Die Altensteiner Höhle

Einblicke in den Bau eines oberpermischen Riffs

Als breiter Saum ziehen sich die Sedimentgesteine des Oberen Perms um den westlichen Thüringer Wald (in der Karte links blau dargestellt). Diese Gesteinsformation die ein Alter von 257 bis 251 Millionen Jahre hat, wird wegen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung in Mitteleuropa als “Zechstein” bezeichnet. Abgeleitet von dem bergmännischen Begriff Zeche.
Zur Zechstein-Formation gehören auch die markanten weithin sichtbaren Kalkfelsen die die Landschaft des Mittelgebirges am NE-Rand (bei Thal) und am SW-Rand (bei Bad Liebenstein) prägen.
Dieser poröse Kalkstein (in der Karte dunkelblau dargestellt) wurde früher, wegen der Vielzahl kleinerer und größerer Höhlen als “Höhlenkalkstein” bezeichnet.

Einer der Ersten die sich mit der Frage nach der Entstehung dieser Kalkfelsen beschäftigten war Ernst Friedrich von SCHLOTHEIM (1764-1832), ein Zeitgenosse von Johann Wolfgang von GOETHE (1749-1832) und Alexander von HUMBOLDT (1769-1859), mit dem er zusammen in Freiberg studierte. Und eine bedeutende Persönlichkeit in der Geschichte der Geologie und Paläontologie.

Im Jahre 1816 schreibt SCHLOTHEIM über den “Höhlenkalkstein” folgendes:

Auch wenn die Fossilien die SCHLOTHEIM als Korallen deutete in Wirklichkeit die Überreste von Bryozoen (”Moostierchen”) sind, so ändert das nichts an der korrekten Deutung dieser Felsen. Es sind Riffe, die hier vor mehr als 250 Millionen Jahren das Ufer einer kleinen tropischen Insel säumten.

Aber um das näher zu erklären, werfen wir zunächst einen Blick zurück in die Vergangenheit: Wie sah unser Planet vor 250 Millionen Jahren eigentlich aus und warum herrschte hier einst tropisches Klima?
 

Die Welt am Ende des Erdaltertums

Die Erde ist, anders als viele unserer Nachbarn, ein geologisch aktiver Planet. Ihre Oberfläche verändert sich ständig. Sie besteht aus großen Platten, die durch die Kräfte des Erdinneren ständig bewegt werden. An den Stellen an denen die Platten auseinanderdriften entsteht ein neuer Ozean, dort wo sie zusammenstoßen wird der Ozeanboden ins Erdinnere gezogen und aufgeschmolzen. Das System ähnelt einem Förderband. Die Platten bestehen aber nicht nur aus der schweren, dünnen ozeanischen, sondern auch aus kontinentaler Kruste, die zu dick und zu leicht ist um versenkt zu werden. Kontinente sind quasi die Pakete auf dem Förderband. Treffen zwei Kontinente zusammen, dann verbinden sie sich. An den Nahtstellen entstehen hohe Gebirge wie die Alpen oder der Himalaya. Aber genau so leicht wie sich die Platten verbinden, werden sie von den gewaltigen Kräften auch wieder auseinandergerissen.

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Abb. 2 Die Lage der Kontinente zur Zeit des Oberen Perm vor etwa 258 Millionen Jahren.
Umgezeichnet nach S
COTESE & MCKERROW (1990).

Im frühen Perm, vor ca. 280 Ma, hatten sich schließlich alle Landmassen zu einem riesigen Kontinent vereint. Mitteleuropa lag damals so nah am Äquator wie der heutige Sudan. In der Trias zerfiel Pangäa wieder und die Kontinente nahmen langsam ihre heutige Position ein.

 

Das Zechsteinmeer

Abb. 3 Das Zechsteinmeer. Die Riffgebiete des Zechsteinmeer sind mit schwarzen Punkten markiert. Der rote Punkt zeigt die Lage der Westthüringer Riffe. Im Kartenhintergrund ist zur Orientierung die heutige Land-Meer Verteilung eingetragen.

Vor ca. 257 Millionen Jahren überflutete das Zechsteinmeer große Teile des heutigen Nord- und Mitteleuropas. Wo vorher Wüsten waren, erstreckte sich nun ein tropisches Schelfmeer.

Höhenlagen, wie der Ruhlaer Sattel ragten noch lange über den Meerespiegel und bildeten Inseln.

Mit dem Meerwasser wanderte auch eine reiche Lebewelt ein. Im flachen Wasser entlang der Küste und um die großen Inseln bildeten sich mächtige Riffe. Ein solches über 250 Millionen Jahre altes Riff ist der Altenstein bei Schweina.

Die Entstehung der Riffe dauerte höchstens 100.000 Jahre, dann brach die Verbindung zum Weltmeer ab, und das Zechstein-Becken trocknete aus. Dabei starben die Riffe ab, es bildeten sich große Steinsalz-Lagerstätten. Dieser Zyklus von Überflutung und Austrocknung des Zechstein-Beckens wiederholte sich noch einige Male, aber die Bedingungen für Riffbildung wurden nicht mehr erreicht.

 

Riffe im Zechsteinmeer

Riffe sind Gesteinskörper aus Karbonat (Kalk), die von Lebewesen aufgebaut werden. Riffbauer wachsen aktiv von kalkabscheidenden Lebewesen aufgebaut.
Unter den Geologen gibt es ein Sprichwort, das lautet: “Ein Sandstein wird gebildet, aber ein Kalkstein wird geboren.”

Abb. 4 Der Große und der Kleine Wartberg bei Seebach.
Zwei markante Riff-Felsen am N-Rand des Thüringer Waldes.

Riffe sind Sammelpunkte des Lebens im Meer, durchaus vergleichbar mit den tropischen Regenwäldern auf dem Festland. Nirgendwo sonst im Meer ist die Vielfalt des Lebens größer. Im heutigen tropischen Riffgürtel leben Millionen von Tierarten.

 

Das Altensteiner Riff und die Altensteiner Höhle

 

Die Altensteiner Höhle liegt am Südrand des Westthüringer Waldes (Abb. 1, Ausschnitt B) im Altensteiner Riff zwischen den Gemeinden Schweina (Sw) und Steinbach (St).

Abb. 5 Das Altensteiner Riff. Blick nach Ost.

 

 

Die Lebewelt der Zechsteinriffe

Riffe sind die Sammelpunkte des Lebens im Meer. Und genau wie die heutigen Riffe in den Tropen (z. B. vor Australien oder in der Karibik), waren auch die Riffe der Zechstein-Zeit die Heimat einer vielfältigen und bunten Lebewelt. Ihre Überreste finden wir heute als Fossilien im Gestein.