Korallen

Die modernen Riffe der Tropen werden von Korallen aufgebaut, aber in der Vergangenheit war das nicht immer so. Die Riffe des Zechsteinmeeres wurden hauptsächlich von Mikrobenmatten („Stromarien“) gebildet. In den großen „Frischwasserriffen“ waren auch die Bryozoen maßgeblich am Riffaufbau beteiligt. Die Korallen spielen hingegen keine große Rolle. Sie waren in diesen Riffen nur seltene Gäste.

Nach WEYER (1979) lebten im Zechsteinmeer nur 2 Arten, die beide nahe verwandt sind und zur ausgestorbenen Gruppe der „Runzelkorallen“ (Rugosa) gehören. Die Rugosa waren im Erdaltertum weit verbreitet und sehr artenreich. In vielen Riffen vom Ordovizium (ca. 490 Ma) bis in das Perm (299 - 251 Ma) spielten sie eine wichtige Rolle. Ihre Blütezeit liegt im Devon. Eine ökologische Krise am Ende des Devon (vor etwa 375 Mio. Jahren), das sogenannte Kellwasser-Ereignis, läutete den Niedergang der Rugosa (und anderer Korallen-Gruppen) ein.
Dieses weltweit zu beobachtende Massensterben betraf vor allem die Bewohner des marinen Flachwassers. Die Formenvielfalt der Rugosa nahm stark ab. Sie haben sich davon nie wieder richtig erholt. Die ökologische Krise am Ende des Perm vor 251 Mio. Jahren besiegelte ihr Schicksal. Aber andere Gruppen der Korallen überlebten und konnten sich neu entfalten.

Abb. 1 Calophyllum quadrifidum - ein recht seltener Fund aus den geschichteten Mergelkalken im Bachgang der Altensteiner Höhle, Maßstab 5mm.

In den Zechsteinriffen (Teil der Randfazies des karbonatischen Zechstein 1) zählen die Korallen zu den seltenen Fossilien. Im gebankten Zechsteinkalk (Beckenfazies des karbonatischen Zechstein 1) sind Korallen neben bestimmten Brachiopoden (v.a. Stenocisma) und den Nautiliden regional die häufigsten wirbellosen Fossilien. Aber diese Angaben sind „relative“ und keine „absoluten“ Häufigkeiten.

In den Mergelkalken im E-Teil der Altensteiner Höhle (Vorriff-Detritus eines frühen Riffstadiums) findet man etwa 1 Exemplar auf 10kg Probenmaterial, meist nur Fragmente. In den massigen Riffkalken sind sie noch seltener. Aber diese (relative !) Seltenheit täuscht. Man muß bedenken, daß die Riffe über 100m mächtig sind und in einem kurzen Zeitraum (Größenordnung: 10.000 Jahre) gebildet wurden. Der geschichtete Zechsteinkalk (Beckenfazies) umfasst einen viel größeren Zeitraum (350. - 400.000 Jahre) ist aber nur max. 15m mächtig.

Abb. 2 Calophyllum columnaris aus dem Zechsteinkalk von Schmerbach.
Sammlung R. S
ANDMANN (Eisenach).

In Wirklichkeit (also absolut) sind die Zechsteinkorallen in den Riffen wohl etwa genauso häufig wie im gebankten Zechsteinkalk. In letzterem sind sie aufgrund der geringeren Sedimentationsrate angereichert. In den Riffen treten sie zudem gegenüber der reichen Begleitfauna stark in den Hintergrund.

 

Literatur

  • WEYER, Dieter (1979): Korallen-Funde im europäischen Zechstein-Meer.- In: Z. geol. Wiss., Bd. 7, Heft 8, S. 981-1021.
  • WEYER, Dieter (1984): Korallen im Paläozoikum von Thüringen.- In: Hall. Jb. f. Geowiss., Bd. 9, S. 5-33, Gotha.
  • WEYER, Dieter (1994): Korallen im oberpermischen Kazan-Meer von Rußland.- In: Freiberger Forschungshefte, C 466, S. 85-107.